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Was sind ETF?

Niemand kann die (langfristige) Entwicklung von Unternehmen (und deren Aktienkurs) voraussagen. Auch Fondsmanager können dies nicht wirklich besser als Privatanleger und die Kosten von Investmentfonds sind, in den meisten Fällen, zu hoch und ihre Erträge zu niedrig. Das investieren in einzelne Werte / Unternehmen ist mit hohen Risiken verbunden und führt nicht unbedingt zu höheren Erträgen. Als Lösung bieten sich ETFs “Exchange Traded Funds” – also Börsen-gehandelte-Fonds auch „Index Fonds“ genannt an.

Wie der Name schon enthält, sind Exchange Traded Funds auch genau das, es sind Fonds. Ein besserer Name, um sie von anderen Fonds zu unterscheiden ist allerdings der Name “Index Fonds” – Exchange Traded Fund suggeriert, dass alle Fonds die an Börsen gehandelt werden, ETFs sind. Tatsächlich kann man aber (heutzutage) auch viele nicht Index Fonds über die Börse beziehen. Was ist also der große Unterschied zwischen ETFs und anderen Fonds? Wie schon gesagt, ist der Name “Index Fonds” besser gewählt, weil er beschreibt, was ein ETF macht: Er bildet einen bestimmten Index nach.

Wenn man über Indizes spricht, ist der DAX sicherlich den Meisten, zumindest aus den Nachrichten, ein Begriff. Wenn ein ETF also z.B. den DAX spiegelt, bedeutet das, dass der Fonds nicht versucht “die besten” Firmen des DAX zu kaufen (wie es z.B. ein aktiver Fonds tun würde), sondern er alle Firmen im DAX (all 30) kauft und zwar mit der gleichen Gewichtung, wie sie auch im DAX auftreten (siehe Tabelle unten – Stand Juni 2016).

NameMarket Cap in Mio. EURMarket Cap in %
SAP87.810,608,77%
Siemens84.128,458,40%
Bayer73.830,367,37%
Deutsche Telekom72.070,087,20%
Allianz65.303,476,52%
Daimler63.819,086,37%
BASF62.857,306,28%
BMW43.711,224,37%
Merck KGaA38.833,023,88%
Continental37.752,403,77%
Fresenius36.127,583,61%
Deutsche Post31.593,203,16%
Muenchener Rueck27.751,682,77%
Linde24.395,032,44%
Adidas24.317,702,43%
Fresenius Medical Care St23.745,702,37%
Volkswagen 23.570,282,35%
Deutsche Bank20.840,762,08%
Beiersdorf20.758,752,07%
Henkel18.453,081,84%
E.ON17.476,731,75%
Deutsche Boerse15.174,051,52%
Infineon14.922,781,49%
Vonovia14.599,311,46%
HeidelbergCement14.084,961,41%
ThyssenKrupp11.195,481,12%
ProSiebenSat.19.728,690,97%
Commerzbank9.254,780,92%
RWE7.463,780,75%
Lufthansa5.770,770,58%

In der Realität ist die Gewichtung nicht ganz so genau, so ergibt sich bei dem ETF iShares Core DAX® UCITS ETF (DE) (ISIN: DE0005933931) folgende Verteilung (ebenfalls Juni 2016): An dieser Übersicht kann man sehr schön erkennen, was der Wert der einzelnen Unternehmen im DAX ist. SAP ist also laut dieser Tabelle rund 88 Milliarden € wert (8,77% des Gesamtwertes des DAX); Lufthansa hingegen “nur” rund 6 Milliarden € (0,58% des Gesamtwertes des DAX). Ein ETF auf den DAX würde also nun versuchen, die prozentuale Verteilung möglichst genau widerzuspiegeln. Wenn der ETF also einen Gesamtwert von 100€ hätte, würde er 8,77€ in SAP investieren, 8,40€ in Siemens, 7,37€ in Bayer… und letztlich 0,58€ in Lufthansa.

NameAnteile
BAYER AG8,75%
SIEMENS AG8,60%
SAP8,20%
ALLIANZ SE8,12%
BASF SE7,79%
DAIMLER AG7,46%
DEUTSCHE TELEKOM AG6,06%
MUNICH REINSURANCE COMPANY3,25%
FRESENIUS SE AND CO KGAA3,17%
DEUTSCHE POST AG3,07%
BMW AG2,90%
VOLKSWAGEN AG2,87%
LINDE AG2,80%
ADIDAS AG2,76%
DEUTSCHE BANK AG2,52%
CONTINENTAL AG2,46%
HENKEL AG & CO KGAA PREF2,15%
E.ON N1,97%
FRESENIUS MEDICAL CARE AG1,92%
DEUTSCHE BOERSE AG1,78%
INFINEON TECHNOLOGIES AG1,73%
VONOVIA SE1,60%
MERCK KGAA1,39%
HEIDELBERGZEMENT AG1,25%
PROSIEBEN SAT.1 MEDIA N1,12%
THYSSENKRUPP AG1,01%
COMMERZBANK AG0,95%
BEIERSDORF AG0,95%
DEUTSCHE LUFTHANSA AG0,70%
RWE AG0,65%

Hier drängt sich nun natürlich die Frage auf, warum man nicht einfach selbst (nach gleicher Verteilung) Aktien von allen Unternehmen des DAX kaufen würde. So würde man sich schließlich die Gebühren für den Fond (auch ETFs kosten Gebühren, hierzu gleich mehr) sparen. Hierbei sollte man aber direkt zwei Dinge bedenken:Ein ETF versucht also (möglichst genau) die Werte eines bestimmten Index nach zu bilden. Er verteilt das Geld der Investoren nach einem vom Markt vorgegebenen Verteilungsschlüssel. Anders als bei aktiven Fonds ist die Entscheidung, in welches Unternehmen Geld investiert werden soll, nicht von einem Fondsmanager abhängig sondern alleine von dem Wert dieses Unternehmens am Markt. Man spricht hier auch von passiven Fonds, da nicht aktiv entschieden wird, in welche Unternehmen Geld investiert werden soll, sondern der Markt dies selbst passiv festlegt.

  1. Jeder Kauf/Verkauf von Aktien kostet Gebühren und
  2. selbst wenn man von jedem DAX Unternehmen nur eine (1)[2] Aktie kaufen würde, müsste man rund 2.100€ in die Hand nehmen.[3] Dann hätte man natürlich noch keine ordentliche Gewichtung nach tatsächlichen Unternehmenswerten erreicht.

Selbst wenn man die Kosten außer Betracht lassen würde, alleine der Zeitaufwand – das Kaufen/Verkaufen der einzelnen Werte jeweils so, dass die Spiegelung des Index möglichst exakt ist – wäre so erheblich, dass es sich für die meisten Leute kaum lohnen würde.

Durch einen ETF wird dies einfacher. Anstelle von (im Falle des DAX) 30 Einzelwerten kauft man nur ein Anteil eines ETF zum aktuellen Preis des ETF. Der ETF verteilt dann das gesamte Geld aller Anleger gleichmäßig (bzw. der Gewichtung der einzelnen Werte entsprechend) auf die Firmen. Da ein ETF eine größere Summe an Geld verwaltet (im Fall des oben erwähnten DAX ETF rund 8 Milliarden €), und ein ETF natürlich zu ganz anderen Konditionen Aktien kaufen/verkaufen kann, fallen die Kauf- / Verkaufsgebühren sehr viel geringer aus und die Verteilung auf die einzelnen Werte kann natürlich Computer-gestützt erfolgen.

All dies, also keine “teuren” Fondsmanager (sondern nur ein PC); keine hohen Kauf- / Verkaufsgebühren und ein geringer Zeitaufwand, sorgen dafür, dass die Kosten für einen ETF (wie bei “normalen” Investmentfonds auch, ausgedrückt in der TER – Total Expense Ratio) äußerst gering ist. Verglichen mit aktiven Fonds, die gerne eine TER oberhalb von 2% haben, hat der schon erwähnte passive DAX ETF eine TER von 0,16%. Konkret bedeutet das, dass ein aktiver Fonds schon mindestens 1,84% mehr Gewinn im Jahr machen muss, um überhaupt die Kosten zu decken.

Ähnlich wie bei aktiven Fonds gibt es auch unterschiedliche passive Fonds. Bis jetzt haben wir einen ETF beschrieben, dessen zu Grunde liegender Index der DAX war und der Aktien von diesen Unternehmen gekauft hat. Es gibt aber natürlich auch Anleihen ETFs, ETFs für Rohstoffe und Edelmetalle, ETFs für Immobilien und vieles mehr. Tatsächlich ist die Zahl der (verschiedenen – tatsächlich gibt es mehrere ETFs die den gleichen Index widerspiegeln, so gibt es z.B. mindestens 3 DAX ETF) ETFs in den letzten Jahren stark gestiegen (siehe Abbildung 1).

anzahl-von-etfs-weltweit

Und auch wenn die Anzahl der ETFs im Vergleich mit aktiven Fonds (siehe Abbildung 2) deutlich geringer ist, lässt sich doch Anhand des starken Wachstums erkennen, dass ETFs an Bedeutung und vor allem auch an Beliebtheit gewinnen.

anzahl-aktive-fonds-weltweit

Schon 2012 hat Morningstar, eine bekannte Webseite zum Thema Geld und Investieren, festgestellt, dass ETFs gerade bei Privatanlegern immer beliebter werden.[4] Bevor wir auf die Gründe hierfür weiter eingehen, ist es interessant zu sehen, dass es, wie auch bei aktiven Fonds, ETFs in vielen verschiedenen Formen und für viele verschiedene Werte und Anlageformen gibt.

Wie oben erklärt, bilden ETFs immer einen bestimmten Index nach – diese Indizes werden von verschiedenen Anbietern Weltweit erstellt und geführt[5] und gruppieren Werte (also z.B. Unternehmen, Anleihen, Rohstoffe, usw.) nach verschiedenen Kriterien. Es gibt also “klassische” Aktienindizes, wie z.B. den DAX, aber auch Indizes für Unternehmens- oder Staatsanleihen, Unternehmen die im Rohstoffmarkt tätig sind, Indizes für bestimmt Immobilienmärkte und vieles mehr. In diese verschiedenen Indizes kann man aber nicht “direkt”[6] investieren, sondern investiert in die beschriebenen Index Fonds welche dann wie beschrieben den Index nachbilden.

Ebenfalls vergleichbar mit aktiven Fonds, gibt es natürlich auch ETFs in vielen verschiedenen Ländern bzw. ETFs denen jeweils Indizes aus verschiedenen Ländern zu Grunde liegen.

Während also die zugrunde liegenden Werte, die Sektoren und Länder sowie der Grundgedanke das Geld mehrere Leute auf einmal zu investieren, vergleichbar mit dem eines aktiven Fonds ist, haben ETFs / Passive Fonds / Index Fonds doch ganz entscheidende Vorteile gegenüber diesen.

Einen klaren Vorteil, die geringeren Kosten, wurde schon erwähnt – diese niedrigeren Kosten ergeben sich aus dem geringeren Aufwand den ein Fondsanbieter für einen ETF (im Gegensatz zu einen aktiven Fonds) betreiben muss. Wie schon beschrieben sind aber die niedrigeren Kosten nicht der einzige positive Nebeneffekt. Wenn man bedenkt, dass es aktiven Fonds nur in den seltensten Fällen[7] gelingt über längere Zeit den Markt (gemessen z.B. am US Index S&P 500, welcher die 500 größten US Firmen umfasst) zu übertreffen[8], fragt man sich doch, warum man die hohen Kosten für solch einen Fond bezahlen sollte.

In einer weiteren Studie hat Vanguard[9] herausgefunden, dass, während Index Fonds zwar nicht immer den Index auf dem sie fußen schlagen, in den meisten Fällen aber besserer Investments darstellen als aktive Fonds.[10] Warum genau dies der Fall ist, kann sicher niemand mit absoluter Sicherheit sagen, aber vieles dürfte damit zusammenhängen, dass die Märkte einfach nicht logisch sind sondern so viel durch Gerüchte, Emotionen und blindes Folgen entschieden wird. Also selbst der beste Fondsmanager ist schlicht kaum / nicht in der Lage, so viel über einzelne Firmen zu wissen um sie dann in seinen Fond aufzunehmen und vorauszusagen, dass die Kurse nur nach oben zeigen werden.

Wenn man aber von einem allgemeinem Wirtschaftswachstum ausgeht, welches zwar nicht in allen Jahren eintreten muss, im Schnitt, über die Jahrzehnte gerechnet, aber jedes Jahr bei rund 5% liegt, macht es eher Sinn sich darauf zu verlassen, als auf den “glücklichen Fondsmanager”.

Deswegen sind ETFs für (die meisten) Sparer die beste Anlageform.

[2] Tatsächlich gibt es Anbieter, die es erlauben Aktien in kleineren Stückelungen (also z.B. 0,01 Teile einer Aktie) zu kaufen – es würden dann aber immer noch die Gebühren für den Kauf/Verkauf bleiben.

[3] Stand Juni 2016 – Auf diesen Wert kommt man, wenn man alle Aktienpreise jedes einzelnen Unternehmens des DAX addiert.

[4] http://www.morningstar.de/de/news/70514/etfs-werden-bei-privatinvestoren-immer-beliebter.aspx

[5] Ein bekannter Bereitsteller von solchen Indizes ist die FTSE Group, einem Unternehmen welches 1995 gemeinsam von der Financial Times und der Londoner Börse gegründet wurde und über 200.000 Indizes führt. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/FTSE_Group)

[6] Man könnte natürlich, wie schon beschrieben, die verschiedenen Werte die einen Index ausmachen kaufen – aber das würde zu den auch schon erwähnten Problemen führen.

[7] Von 1991 bis 2005 schaffte es US-Fondsmanager Bill Miller (https://en.wikipedia.org/wiki/Bill_Miller_(finance)) den S&P 500 zu schlagen. Ob das nun aber Zufall oder Können war, kann sich ja jeder selbst überlegen.

[8] Lesenswert: http://www.usatoday.com/story/money/personalfinance/2016/03/14/66-fund-managers-cant-match-sp-results/81644182/

[9] Hierbei handelt es sich um einen Anbieter von ETFs, die Studie ist also sicherlich mit einem gewissen Maß an Skepsis zu lesen.

[10] Quelle: https://personal.vanguard.com/pdf/s296.pdf